Georg - Familiendrama

georg-miniPoint of no return. Kennst du den? Hast du schon mal so was erlebt? Der Punkt in deinem Leben, an dem du merkst, dass es kein Zurück mehr gibt und sich alles verändert. Festgefahrene Strukturen brechen auf. Die Sicherheit, auf die du immer vertraut hast - dahin. Aufgelöst. Verschwunden. Und jetzt? Gähnende Leere und ein tiefer Abgrund. No hope, no future. Exakt diesen Punkt habe ich am 22. Februar 2005 erreicht; an diesem Tag hat mir meine Frau erklärt, dass sie mich verlassen wird.

Ich heiße übrigens Georg. Bin 39 Jahre alt, noch verheiratet und habe zwei Kinder. Sie sind 6 und 8 Jahre alt. Ich bin katholisch getauft, erzogen worden und aufgewachsen. Als Kind und Jugendlicher war ich regelmäßig in der Kirche und auch teilweise im Gemeindedienst tätig. Irgendwie habe ich schon immer an Gott geglaubt, aber irgendwie nie den wahren Zugang zu ihm gefunden. Besonders in den letzten Jahren bin ich kaum noch in die Kirche gegangen und entwickelte mich zu einem dieser Tausenden inaktiven „Pseudo-Katholiken”. Gott war für mich weit weg im Himmel, und ich war halt hier unten auf der Erde. Also dachte ich, dass ich meine Geschicke selbst in die Hand nehmen muss. Vor allem war ich der Meinung, dass ich hart sein muss, mir nichts gefallen lassen darf, um so voranzukommen, um es zu etwas zu bringen.

Auf völlig unterschiedlichen Wegen lernte ich nach und nach immer mehr aktive Christen aus den unterschiedlichsten Gemeinden kennen. Ich führte viele Gespräche über den Glauben. Viele Ansichten wichen sehr stark von dem ab, was ich bisher von „Religion” wusste. Und obwohl ich noch nie die Bibel komplett gelesen habe, war ich vermessen genug, mir einzureden, dass ich über Gott und seine Nachricht alles nötige wusste. Schließlich war ich jahrelang aktiver Kirchgänger und habe an allen Religionsunterrichten und Vorbereitungskursen „rege teilgenommen”. Keine Frage: Ich bewunderte sehr stark die innere Festigkeit und Gelassenheit, die diese Menschen ausstrahlten. Trotzdem erschien mir vieles als religiöse Euphorie und - ganz ehrlich …: ziemlich abgedreht. Es war einfach die Angst, dass ich mein Leben komplett umkrempeln sollte und mich auf etliche Einschränkungen einlassen müsste. Dachte ich. Außerdem war ich in solchen Dingen immer sehr kritisch und misstrauisch. Sogar meine Frau hatte ich davor gewarnt, sich einer christlichen Gemeinschaft anzuschließen. Dafür könnte ich mich allerdings heute noch ohrfeigen.

Trennung? Dieses Wort kam in meinem Wortschatz überhaupt nicht vor. Für mich war ja klar, dass wir bis an unser Lebensende zusammenbleiben würden. Ich hab es ja schließlich versprochen. Vor neun Jahren. In der Kirche, am Altar, als mich der Pastor fragte, ob ich die hier anwesende Frau … Naja, ihr kennt das ja. Und jetzt? Pure Verzweiflung, abgrundtiefe Trauer, Hilflosigkeit und Angst machten sich breit. Was wird aus den Kindern? Immer wieder die Frage nach dem Warum. Schließlich waren wir doch eine ganz normale durchschnittliche Familie - meinte ich. Sicher. Es gab gewisse Probleme, aber im Großen und Ganzen erschien mir doch alles ziemlich normal. Aber das war offensichtlich nur meine Meinung. Meine Frau hat jedenfalls ihr Vorhaben durchgesetzt und ist am 23. April 2005 ausgezogen.

Bereits einige Monate vor diesem Termin bemerkte ich, dass etwas nicht stimmt. Dass da etwas vor sich geht, in das ich nicht eingreifen konnte. Ich registrierte ganz stark veränderte Verhaltensmuster meiner Frau. Meine Angst und die Verzweiflung schnürten mir förmlich die Kehle zu. Ich hab versucht, mit ihr darüber zu reden und mir Mühe gegeben, unsere Partnerschaft zu retten. Vergebens. Exakt zu diesem Zeitpunkt hatte ich beruflich im LifeHouse zu tun. Zur Info: Ich bin selbstständiger System- und Netzwerkadministrator, also auf Deutsch: Computer-Fuzzi. Im LifeHouse lernte ich den Leiter kennen und war von seinem Engagement und seiner Power begeistert. Besonders das Ziel von LifeHouse, nämlich Jugendliche zu erreichen, um ihnen Hoffnung zu geben und zu machen, fand ich toll. Ich erinnerte mich an meine eigene Jugend, und ich weiß noch sehr gut, wie sehr ich mir jemanden aus dem christlichen Bereich gewünscht hätte, an dem ich mich hätte wenden können, um meine alltäglichen Fragen, Sorgen und Probleme durchzusprechen. Leider hatte ich damals keinen Ansprechpartner gefunden.

In meiner Not habe ich mich Thomas Meyerhöfer anvertraut und ihm meine Situation erklärt. Er hat sich meine Ängste und Sorgen angehört, mit mir gesprochen. Er betete mit mir und hat mir Mut gemacht und mir gezeigt, dass ich mit meiner Trauer und Hilflosigkeit nicht alleine bin. An diesem Tag habe ich zum ersten Mal einen echten Kontakt zu Jesus aufgebaut. Thomas und ich haben uns öfters getroffen, diskutiert und gebetet. Und irgendwann habe ich ihn gefragt, wie ich selbst zum wahren Glauben finden kann. Thomas erklärte mir genau, wie jemand wie ich Christ werden kann. Ich fragte, wo und wann ich so etwas machen kann, denn als Katholik war für mich jedes Sakrament mit einem großen traditionellen Ritus und einem feierlichen Akt verbunden. Seine Antwort verblüffte mich, denn diese Antwort hatte gar nichts „sakrales” an sich. Nur ein Gebet? Nur ein Bekenntnis, dass ich sündig bin und Vergebung brauche? Keine Zeremonie mit Weihrauch, Weihwasser, Orgelmusik und auswendig gelernten Sprüchen und Bekenntnissen? Es war nur ein Gebet. In einem Büro. Mit einem Freund zusammen. Und es war für mich ein Moment, der größer war als alle Zeremonien, die ich jemals erlebt hatte.

Ich habe Jesus um Vergebung gebeten. Ich habe ihm meine Schuld und Sünde bekannt. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm nachfolgen will. Und durch seine unendliche Güte hat Jesus sich herabgelassen und ist dieser Einladung gefolgt. Und Jesus hat mir deutlich gemacht, dass er es gerne getan hat. Für mich. Dass er für mich am Kreuz gestorben ist. Ich habe begriffen, dass Jesus für mich gestorben ist. Und genau hier begann jetzt mein zweiter „Point of no return”: Mein Leben mit Jesus! Natürlich hatte ich immer noch Angst. Angst, dass ich mich von Lebensgewohnheiten trennen muss und jetzt „brav” werden sollte. Ich war mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde. Natürlich hat es keinen Blitz und Knall gegeben, und ich bin dagestanden in gleißender Pracht - fernab von allen Problemen, Sünden und Versuchungen. Aber … mein Leben hat sich in der darauffolgenden Zeit schon ganz schön verändert. Nein: Es hat sich gewaltig verändert! Und diese Veränderung war die Voraussetzung dafür, dass ich die folgende Zeit der Trennung von meiner Familie überhaupt überstehen konnte. Ich bin von keiner Brücke gesprungen. Natürlich kannte und kennt mein Schmerz kaum eine Grenze … - denn ich vermisse meine Kinder unendlich.
Die paar armseligen Stunden an allen zwei Wochenenden sind so wenig. Und trotzdem erfahre ich immer wieder die Kraft, den Trost und den Frieden Gottes. Ich erlebe, dass Gott mich durch die Zeit trägt. In dieser Zeit bin ich dankbar für so viele kleine und große Dinge, die ich früher nie wahrgenommen habe. Manchmal bin ich regelrecht euphorisch über die Herrlichkeit Gottes. Jemand, der dieses Gefühl noch nicht erlebt hat, der wird mich kaum verstehen können. Aber ich würde es jedem von euch von Herzen wünschen, denn es ist eine von Gott gegebene tiefe Freude, die mit keinem irdischen Vergnügen vergleichbar ist. Das klingt für dich vielleicht etwas abgedreht, aber ich verspreche dir: Ich habe keine Tabletten eingeworfen. Ich spritze mir nicht jeden Morgen irgendein „religiöses Zeugs” in die Venen, damit ich glaubenstechnisch high bin. Jesus ist bei mir. Und ich erlebe das. Auch - und ich übertreibe wirklich nicht -… unter Tränen.

Ich bin total dankbar, dass ich eine Gemeinde gefunden habe. Da gehe ich hin, und da sind Menschen, mit denen ich diese Freude, die ich habe, teilen kann. Am 4. Dezember 2005 habe ich mich taufen lassen. Ich habe vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt bekannt, dass ich ein Kind Gottes bin. Im Neuen Testament, im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 17 steht: „Das bedeutet aber, wer mit Christus lebt, der wird ein neuer Mensch. Er ist nicht mehr derselbe, denn sein altes Leben ist vorbei. Ein neues Leben hat begonnen!”
Ich wünsche mir natürlich, dass Gott weiterhin mein Leben in den Händen hält und nach seinen Wünschen verändert, nach seinen Vorstellungen! Und ich weiß, dass mein Leben nur
gut werden kann, denn es ist in seiner Hand.

Warum schreibe ich das alles? Ganz einfach: Ich will dir Mut machen. Sei mal ganz still und versuch zu hören, was Gott dir sagen will. Du wirst feststellen, dass er dein Herz erreichen möchte. Dass er spricht. Deshalb: Lade Jesus ein. Sag ihm, dass du offene Ohren hast und wirklich auf ihn hören willst. Er kommt zu jedem, der dazu bereit ist. Zu jeder Zeit. An jedem Ort. Er spricht zu jedem Menschen anders. Jeder Mensch ist so individuell. Und bei Gott gibt´s kein Schema. Gott liebt dich. Egal, mit welchen Eigenheiten, Sünden und Problemen du zu kämpfen hast. Für Gott sind diese Eigenheiten kein Hindernis. Und wenn ich davon rede, dass Gott mir das Gefühl schenkt, geliebt zu werden, dann gilt das auch für dich. Gott gibt die Hoffnung in den scheinbar ausweglosesten Situationen. Ganz ehrlich: Hätte ich das nicht selbst erlebt, könnte ich nicht glauben, welche Kraft und welcher Frieden dir durch Gott gegeben wird.
Ich bin 39 Jahre alt, aber ich sehe das Wirken Gottes wie ein Kind. Mit großen Augen stehe ich da und bewundere die positiven Veränderungen, die in mir vorgehen. Ehrlich: Ich habe keine Angst mehr davor, irgendetwas aufzugeben oder auf etwas verzichten zu müssen. Ich bekomme das, was ich brauche, lerne mit meiner Trauer und mit meiner Angst umzugehen, erfahre Freude am Leben und fühle mich vor allem sauwohl dabei. Und dafür bin ich unendlich dankbar. Wenn du Fragen hast dann schreib mir ´ne Mail. Würd mich freuen.

Dein Georg.