Sehnsucht - Folge 6
nach dem urlaub geht´s jetzt weiter mit der nächsten folge im “sehnsucht - podcast”. ich habe die (freie…) zeit gut genutzt und habe versucht, den adler in seinem gefängnis aufzusuchen. das ergebnis war schockierend.
nach dem urlaub geht´s jetzt weiter mit der nächsten folge im “sehnsucht - podcast”. ich habe die (freie…) zeit gut genutzt und habe versucht, den adler in seinem gefängnis aufzusuchen. das ergebnis war schockierend.
„ich würde schon gerne mein leben verändern“, sagt er mir. er schweigt. dann, nach einer kurzen zeit sprudelt es nur so aus ihm heraus: „ich habe angst, dass ich alles verliere. dass ich nachher mit nichts da stehe. dass ich arbeitslos werde. mir nichts mehr leisten kann. in einer kleinen zweizimmerwohnung abhänge, von harz IV leben muss. dass ich den größten fehler meines lebens mache!!!“
exakt das sind sie - die ängste kurz vorm losfliegen. vor dem abschied. vor dem neuen.
da hat man sich wochen- oder monatelang mit der veränderung beschäftigt. hat alle für und wider abgewogen. hat entschlüsse gefasst und wieder verworfen. hat mit freunden über seine pläne gesprochen. hat versucht, alle unwägbarkeiten aus der bahn zu schaffen. dann hat man sich endlich zu einer entscheidung durchgerungen. kurz vor dem absprung kommt der absturz. der rückzieher.
ein bisschen ist das zu vergleichen wie mit dem sprung vom drei-meter-brett. dem ersten…
am anfang hat man die leute beobachtet, wie sie scheinbar problemlos die leiter hochklettern, dann einen kurzen anlauf nehmen und offensichtlich völlig gefahrlos die drei meter in richtung wasser entgegensegeln. irgendwann kam dann der erste aufstieg, der schritt an die kante, der absprung.
was jetzt kommt, ist mit dem ersten drei-meter-sprung nicht vergleichbar. jetzt geht´s um die zukunft, ums leben, um den sinn im leben. um hoffnung und veränderung. und keiner kann garantien geben, dass es funktioniert.
ich habe dieses bild vor einiger zeit gemacht. es entstand an einem regnerischen tag am mittelmeer. die drei jungs hatten keine chance, ihre ware an den mann zu bringen. nicht nur, dass der job des strandverkäufers (oder besser: „strandläufer“) kaum etwas finanzielles einbringt… - jetzt regnete es auch noch. und die potentielle kundschaft saß im restaurant oder vergnügte sich an der bar. für die strandverkäufer der „worst case“ - der superGAU.
kurz vor der veränderung drängen solche bilder in unser bewusstsein. noch einmal versuchen sie alles, um uns vor dem nächsten schritt zurückzuhalten. irgend jemand zieht noch einmal alle register, damit wir/man/du deiner hoffnung ihre berechtigung entziehst.
schade. umsonst abgewogen, umsonst überlegt, umsonst gehofft. immerhin - es ist tatsächlich wie beim ersten sprung vom drei-meter-brett: wenn nicht heute, dann morgen. oder übermorgen.
ein abgebrochener start zieht kein flugverbot für immer nach sich. und: keiner zwingt dich. dazu mehr im neuen podcast. falls du die ersten folgen verpasst hast, dann findest du sie hier.
An bestimmten Tagen, gestern war ein solcher, überkommt mich ein eigenartiges Gefühl, ein Gefühl das ich als „Fernweh“ bezeichnen würde. Ausgelöst durch unterschiedliche Dinge, Situationen, Gedanken, Einflüsse,…. mich weckt die Abenteuerlust, die Neugier unbekannte Dinge zu erforschen, fremde Menschen und Kulturen zu erleben, zu reisen - raus aus meinem monotonen Alltagstrott hinein in ein unbeständiges, aufregendes, und spannendes Leben.. voll bunter schillernder Farben:
Der gelbe Campingbus steht im Schutz eines mächtigen Felsens. Wir sitzen da, am Lagerfeuer bis spät in die Nacht und nehmen die Kühle der Nacht und das Knistern des Feuers in uns auf. Am nächsten Morgen halten wir irgendwo im Nirgendwo an einem gemütlichen und abgelegenen Café. Der Geruch des frischen Kaffees steigt uns in die Nase und in aller Seelenruhe schlürfen wir das heiße Getränk und unsere Blicke schweifen dabei sehnsüchtig in die Ferne…
Die Reise geht weiter, auf unebenen und staubigen Straßen. Die Sonne knallt kräftig und an uns ziehen kleine Dörfer, dunkelhäutige Menschen, gigantische Seen, Obst- und Gemüseplantagen sowie wunderschön gepflegte Gärten aber auch völlig der Natur überlassenen Reservate vorbei. An einem schattigen Plätzchen, nahe einem silbernen See steigen wir aus dem Bus und atmen tief die stille, frische und nach Freiheit riechende Luft ein. Die Ersten toben kurze Zeit später ausgelassen im kalten Wasser, an einer anderen Stelle versucht man sich am Fische fangen. Keiner da, der Vorschriften macht; keine Termin einhalten, den Augenblick genießen und beim Sonnenuntergang seinen Gedanken nachhängen, bis die Sonne ganz hinter dem Horizont verschwunden ist.
Diese Bilder tanzen in meinem Kopf herum, wenn mich das Fernweh plötzlich überkommt. Ich denke: So muss sich Freiheit anfühlen! Sie muss salzig, süß und sauer und nach Unbekanntem schmecken! Freiheit muss wie ein frische Brise sein. Freiheit lebt davon, dass ich loslassen kann…
Ich sitze immer noch auf meinem Bett, die Bilder in meinem Kopf werden immer undeutlicher, die Musik die mich auf dieser Reise begleitet hat, ist bereits verklungen und monotoner Alltag klopft an meine Tür… - ob ich jemals in den Genuss komme, die Welt in diesen bunten Farben zu sehen, sie in dieser Vielfältigkeit zu erleben, und tief in ihre Schönheit einzutauchen? Ob ich jemals so richtig Freiheit spüren und einatmen darf? Kann ich loslassen? Kann ich vielleicht auch mal liegen lassen was ich zu erledigen habe, auch die Menschen und Dinge, die Forderungen an mich stellen, die mich manchmal müde und kaputt machen und mich einschränken?!?
Gestern Abend - es war schon dunkel, fuhr ich mit meinem Rad nach Hause. Ich ärgerte mich erst, dass ich kein Licht am Fahrrad hatte - aber dann stellte ich fest, dass ich es auch eigentlich gar nicht brauchte, denn es flogen lauter kleine gelbe Leuchtdinger (
) durch die Luft! Diese kleinen Käfer faszinierten mich schon immer. Früher, wenn ich bei meinen Großeltern übernachtet habe und ich nicht schlafen konnte, dann setzten sich meine Oma und ich zusammen ans offene Fenster, beobachteten die Tänze der kleinen gelben Glühwürmchen und zählten sie.… Sie tanzen und leuchten die ganze Nacht hindurch. Ihr Ziel: Die Suche nach einem Partner.
Wenn wir Menschen doch auch so kleine Taschenlampen hätten, um unseren Partner ausfindig zu machen. Oder wir könnten uns durch einen besonders raffinierten Leuchtcode, den wir in der Dämmerung an unsere Freunde verschicken, problemlos verständigen….
Es ist nicht schwer festzustellen, dass bei uns Menschen Kommunikation anders läuft und mit der Liebe funktioniert es auch nicht so einfach wie bei diesen kleinen Käfern. Wir sehnen uns nach Glück, Zufriedenheit, nach einem unbeschwerten Leben, danach auf alles eine Antwort zu haben,… wir würden gern immer sagen: ´s läuft!
Doch wie sieht es wirklich aus? Mal ehrlich…
Mit unseren Worten verletzen wir häufig andere. Mit oder auch ohne Absicht. Wir fühlen uns unverstanden oder missverstanden - sogar manchmal beides. So wie ich vorgestern am Telefon… es ging eigentlich nur um Kleinigkeiten, und zack: schon waren Missverständnisse da, die es erst mal zu klären galt.
Und das mit Liebe!? Komplizierter denn je!?
Selbst Lady Gaga hat Liebeskummer. Diese Story ist genauso verrückt wie Frau Gaga selbst: Matthew Williams wollte sie heiraten und hat sie gebeten, weniger zu arbeiten. Die Lady lehnte dieses Angebot ab; anscheinend liebt die sie ihre Arbeit und ihre Karriere mehr als ihren Matthew… verrückt…
Mir erscheint das Leben, meine Mitmenschen, einfach alles um mich herum, manchmal so richtig kompliziert und an manchen Tagen habe ich das Gefühl, im Chaos zu versinken. Da sind schwierige Situationen zu meistern, Freunde zu verstehen, da muss man zu Terminen hetzen, die richtigen Entscheidungen treffen, Erwartungen jeglicher Art sind zu erfüllen und emotionale Hochs und Tiefs zu überwinden, usw. Das wirst du sicher kennen, wenn nicht von dir, dann von anderen.
In einem solchen Moment, wäre ich gern ein Glühwürmchen, was in Ruhe durch die Dämmerung gleitet, ein wenig blinkt und vielleicht genüsslich eine Ameise verspeist.
Martin möchte Maler werden, das weiß er genau. Vögel malt er rot und Elefanten malt er blau. Sein Lehrer sagt ihm ins Gesicht: Rote Vögel gibt es nicht! Du hast kein Talent! Und Martin malt nie mehr.
Kathrin möchte Schiffer werden auf nem Schlepperkahn. Schleppen auf dem Rhein von Basel bis nach Rotterdam. Doch ihr Bruder lacht sie aus: Da wird sowieso nichts draus! Und Kathrin denkt im Stillen: Sicher hat er recht.
Ref. Mach, was du am besten kannst, das ist für alle gut. Mach, was du am liebsten tust, auch wenn das nicht jeder tut. Träume kann dir keiner nehmen, dafür musst du dich nicht schämen. Mach, was du am besten kannst, verliere nie den Mut.
Du hast sicher eigne Pläne, einen eignen Traum. Willst vielleicht mal Gärtner werden oder Zirkusclown. Bis ein anderer dich verlacht und sich drüber lustig macht. Plötzlich wirst du mutlos und verlierst dein Selbstvertraun.
Refrain…

Anne, freie Mitarbeiterin im LifeHouse und heutige Gastautorin
Dieses Lied lief heute durch meinen Kopf. Und ich hab mich gefragt, was meine Träume sind. Und ich frag dich: Was sind Deine Träume? – Oder, hast du überhaupt einen Traum? Es ist nicht immer leicht die Schritte zu gehen, die das eine, große Ziel greifbarer machen. Aber noch fataler ist es, wenn man sich selbst im Weg steht um diesem einen Traum auch nur ein Stückchen näher zu kommen…
…vielleicht fühlst du dich gefangen, so wie ich gerade. Gefangen in einem Gefängnis bei dem die Mauern aus Bequemlichkeit und Lügen, dummen alten Angewohnheiten und Ausreden bestehen. Ein Gefängnis, in dem du gekettet bist an deine eigenen Ängste, deine Unverbindlichkeit, vielleicht auch an Minderwertigkeit, an deine Schüchternheit, deine Unentschlossenheit oder an ein Gefühl des Versagens.
Du hockst, in diesem schön eingerichteten, sicheren und warmen Gefängnis, vielleicht weil du dich da selbst reinverfrachtet hast, oder weil dir andere Menschen immer wieder, mit Genauigkeit vor Augen gehalten haben wo deine Grenzen sind. Dein Traum schrumpelt vor sich hin und die Sehnsucht wird entweder irgendwann ganz verkümmern oder sie schafft es immer wieder dich anzufeuern den Kampf mit dem was dich einengt aufzunehmen. Du versuchst dich immer wieder mal loszureißen von den schweren, kalten und eisernen Ketten, an die du gefesselt bist. Wenn du es mal geschafft hast, dich mit aller Kraft davon loszureißen, dann bauen sich als nächste Hindernisse die hohen Mauern das Gefängnisses, vor dir auf.
Und in den meisten Fällen gibst du den Fluchtversuch auf und verkriechst dich gemeinsam mit deinem Freund dem Traum und deiner Freundin der Sehnsucht tief in den letzten Winkel des Gefängnisses. Was tust du da? Du resignierst, dann entschließt du dich vielleicht auf eine nächste, bessere Gelegenheit zu warten und eventuell sammelst du in der Zeit neue Kräfte für den nächsten Kampf, aber nur eventuell.
Es ist und bleibt zwar ein Kampf und wie er ausgeht ist nie vorhersehbar, aber dann kommt mir dieses Kinderlied wieder in den Kopf:
…Träume kann dir keiner nehmen, dafür musst du dich nicht schämen. Mach, was du am besten kannst, verliere nie den Mut….
vergangene woche hatte ich die möglichkeit, nachzuschauen, was aus „meinem“ adler geworden ist. der adler also, der seit wochen eine hauptrolle in den „sehnsucht-podcast“ spielt und den ich vor langer zeit in seiner gefangenschaft angetroffen hatte. sein damaliges gefängnis: eine burg mit freier sicht aufs mittelmeer. seine damalige aufgabe: fliegen auf anforderung, touristen faszinieren und beglücken.
um es kurz zu machen: er saß noch immer auf seinem holzbogen. apathisch. immer, wenn er das schreien der möwen hörte, zuckte er zusammen und verdrehte seinen kopf, um sie fliegen zu sehen. einmal breitete er seine flügel aus, hob kurz ab und wurde dann von dem seil wieder auf den boden zurückgezerrt.
ich stand vor ihm und überlegte tatsächlich, ob ich ihn von seinen fesseln befreien sollte. allerdings wäre diese aktion noch kein garant dafür, dass er auch tatsächlich fliehen würde. der wille ist entscheidend, nicht nur eine möglichkeit. das gilt das für alle, die schon lange in gefangenschaft leben. wenn plötzlich die gefängnistür aufgeht, bleibt man lieber schön im altbekannten und der sicheren umgebung. man gewöhnt sich ja an alles…
„flieg doch einfach los, wenn deine schöne wärterin dich wieder als dressierte attraktion präsentiert“ flüsterte ich dem adler zu. natürlich kam ich mir etwas blöd vor, als ich mit einem adler „sprach“. trotzdem, einer musste es ihm doch sagen, oder? deshalb gab ich ihm gleich noch einen tipp: „nachher“, sagte ich ihm jetzt schon etwas lauter, „wenn dich deine schöne wärterin wieder fliegen lässt, dann nutz die chance. hau ab! flieg los, komm nicht zurück!“ die letzten worte hatte ich ziemlich laut ausgesprochen und war froh, dass die anderen touris einen fischfressenden falken beobachteten und fotografierten. „hast du mich verstanden“, fragte ich ihn? der adler schaute mich an, hüpfte von seinem rundbogen und schlug zwei- dreimal mit seinen flügeln. sein zeichen für „verstanden“?
ich konnte nicht länger bei ihm bleiben; ich musste weiter.
insgeheim erhoffe ich mir natürlich, dass beim nächsten besuch mein adlerfreund nicht mehr an der fessel hängt. wer in die freiheit will, muss bereit sein, den preis dafür zu bezahlen. das gilt auch für adler.

nach dem urlaub geht´s hier auch wieder weiter. in diesem sinne… - einen schönen mon-tag!
(gesehen bei http://thxthxthx.com/)
die leiche wird lebendig. erste schritte in die freiheit. und die, dich als tot und begraben abgeschrieben haben, kommen aus dem staunen nicht mehr raus.