strandläufer und hartz IV
„ich würde schon gerne mein leben verändern“, sagt er mir. er schweigt. dann, nach einer kurzen zeit sprudelt es nur so aus ihm heraus: „ich habe angst, dass ich alles verliere. dass ich nachher mit nichts da stehe. dass ich arbeitslos werde. mir nichts mehr leisten kann. in einer kleinen zweizimmerwohnung abhänge, von harz IV leben muss. dass ich den größten fehler meines lebens mache!!!“
exakt das sind sie - die ängste kurz vorm losfliegen. vor dem abschied. vor dem neuen.
da hat man sich wochen- oder monatelang mit der veränderung beschäftigt. hat alle für und wider abgewogen. hat entschlüsse gefasst und wieder verworfen. hat mit freunden über seine pläne gesprochen. hat versucht, alle unwägbarkeiten aus der bahn zu schaffen. dann hat man sich endlich zu einer entscheidung durchgerungen. kurz vor dem absprung kommt der absturz. der rückzieher.
ein bisschen ist das zu vergleichen wie mit dem sprung vom drei-meter-brett. dem ersten…
am anfang hat man die leute beobachtet, wie sie scheinbar problemlos die leiter hochklettern, dann einen kurzen anlauf nehmen und offensichtlich völlig gefahrlos die drei meter in richtung wasser entgegensegeln. irgendwann kam dann der erste aufstieg, der schritt an die kante, der absprung.
was jetzt kommt, ist mit dem ersten drei-meter-sprung nicht vergleichbar. jetzt geht´s um die zukunft, ums leben, um den sinn im leben. um hoffnung und veränderung. und keiner kann garantien geben, dass es funktioniert.
ich habe dieses bild vor einiger zeit gemacht. es entstand an einem regnerischen tag am mittelmeer. die drei jungs hatten keine chance, ihre ware an den mann zu bringen. nicht nur, dass der job des strandverkäufers (oder besser: „strandläufer“) kaum etwas finanzielles einbringt… - jetzt regnete es auch noch. und die potentielle kundschaft saß im restaurant oder vergnügte sich an der bar. für die strandverkäufer der „worst case“ - der superGAU.
kurz vor der veränderung drängen solche bilder in unser bewusstsein. noch einmal versuchen sie alles, um uns vor dem nächsten schritt zurückzuhalten. irgend jemand zieht noch einmal alle register, damit wir/man/du deiner hoffnung ihre berechtigung entziehst.
schade. umsonst abgewogen, umsonst überlegt, umsonst gehofft. immerhin - es ist tatsächlich wie beim ersten sprung vom drei-meter-brett: wenn nicht heute, dann morgen. oder übermorgen.
ein abgebrochener start zieht kein flugverbot für immer nach sich. und: keiner zwingt dich. dazu mehr im neuen podcast. falls du die ersten folgen verpasst hast, dann findest du sie hier.

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wir haben uns die perfekte anti-angst-choreographie zugelegt: morgens weckt uns das fröhliche lied aus dem radiowecker, im web blenden wir die schlechten nachrichten weg, nachmittags geben wir uns die uralt-serien und abends läuft der dsds-rückblick von rtl: annemarie zickt durch die republik und holger trainiert den hüftschwung. immer schön locker bleiben. bloß keinen stress machen. und überhaupt - was interessieren uns die amerikaner und ihre superschulden?!? sind wir amis?!? na also, ist doch alles in bester ordnung. und wenn opel dicht macht fahren wir vw. oder so. 


