Autor: Thomas | Tags: funktionieren, Liebe, Missverständnisse, Strafe, Unglück | Kategorie: Blog
in den vergangenen 48 stunden gab´s in vielen gesprächen nur ein thema: „Gott liebt mich nicht mehr“. auf nachfrage, wie es zu dieser feststellung kam, gab´s wiederum ähnlich lautende aussagen. nämlich: ich habe keinen erfolg (mehr) im leben.
konkret:
- eine zwei in der mathearbeit: Gott liebt mich.
- schulklasse wiederholen: Gott liebt mich nicht.
- erfolg im beruf: Gott liebt mich.
- keine kunden und drohene insolvenz: Gott liebt mich nicht (mehr).
- liebevoller partner: Gott liebt mich.
- horrorehe: Gott liebt mich nicht.
- Gott erhört mein gebet: er liebt mich.
- wenn er es nicht erhört…
und.so.weiter.
ich kenne niemand, der über unglück jubelt, das sich gerade in seinem leben austobt. ich frage mich allerdings schon, warum wir missgeschicke oder unglücksfälle oder nöte SOFORT mit „strafe gottes“ oder seinem liebesentzug in verbindung bringen. verstehen wir Gott als jemand, der dafür zuständig ist, alles leid von unserem leben fernzuhalten? oder: müssen wir funktionieren, damit Gott für uns „funktioniert“? wenn dem tatsächlich so wäre, wie sähe dann unser „funktionieren“ konkret aus?
dazu eine kleine geschichte aus “die hütte und ich” von kerstin hack.
der ganze stolz eines chinesischen bauern waren sieben wunderschöne weiße pferde. eines nachts ließ sein sohn versehentlich das gatter offen und die pferde rissen aus. die nachbarn des bauern kamen zu ihm und sagten: „welch ein unglück hat dich getroffen!“ der bauer antwortete: „ein unglück oder ein glück - wer will es sagen?“ vierzehn tage später kamen die pferde zurück und brachten sieben wildpferde mit. die nachbarn freuten sich mit dem bauern: „welch ein glück hat dich getroffen!“ er lächelte und antwortete: „ ein unglück oder ein glück - wer will es sagen?“
eine kleine weile später warf eines der jungen pferde den sohn des bauern ab, als er es zureiten wollte. er brach sich das bein und sein vater war in der erntezeit ganz auf sich allein gestellt. wieder kamen die nachbarn und sagten: „welch ein unglück hat dich getroffen!“ und erneut antwortete der bauer: „ein unglück oder ein glück - wer will es sagen?“ kurze zeit darauf zogen die kaiserlichen truppen alle wehrfähigen jungen männer für den harten krieg an der grenze ein - bis auf den sohn des bauern mit dem gebrochenen bein. die nachbaren kamen und sagten…
ein unglück oder ein glück - wer will es sagen?