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trocken legen

dscn1055„da kann man nix machen“, kölnert mich der handwerker an. „die müssen runter, bis auf die maur.“ dann zupft er an einer tapete, die - frisch gestrichen versteht sich - gerade mal drei wochen auf der wand klebt. er sieht meinen genervten blick und sagt dann: „hinterher isset wieder jot!“ ich nicke ab und lass´ ihn sich austoben. klar hat er recht, das zeug muss runter und erst dann kann man die nasse wand richtig trocken legen. dafür gibt´s dann die gebläsetrockner, die tag und nacht eine hitze produzieren und so das wasser aus der letzten ritze saugen.

unter den tapeten kommen riesige wasserflecke zum vorschein. „dat muss alles wech“, höre ich den handwerker sagen und er zieht dabei eine komplette bahn an einem stück von der wand.

ich will dieses ereignis nicht überstrapazieren - aber es passt: wie die tapete, so das leben. wie die (nasse) wand, so unsere verborgene welt. nach außen sehen wir aus wie eine traumtapete von desima: luxuriös, perfekt gestylt, erhaben. so, als ob uns nichts aus der (tapeten-)bahn werfen kann. und doch: dahinter schimmelt´s schon. es ist nur noch eine frage der zeit, bis sich - für alle sichtbar- die ersten flecken zeigen.

im podcast „Der Tiger in mir“ geht´s exakt um dieses thema.

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