Mit ‘Täter’ getaggte Artikel

stilles treffen

winnenden111. märz 2009: ich sitze am rechner und skizziere in groben linien das manuskript für den neuen podcast. das (web-)radio dudelt im hintergrund - so leise, dass die verschiedenen songs kaum zu hören sind. trotzdem werde ich hellhörig, als der moderator viel zu ruckartig die musik ins nichts fadet und eine eilmeldung ankündigt. in einer schule im baden württembergischen winnenden, so der moderator, seien hilferufe und schüsse gehört worden. weitere infos würden folgen. und wieder musik.
ab sofort kann für die nächste stunde kein song vom sender ausgespielt werden, denn: im minutentakt überschlagen sich die ereignisse. die zahl der toten steigt und steigt; der täter wird als flüchtig gemeldet. irgendwann am späten nachmittag steht dann der genaue sachverhalt fest - so, wie wir ihn heute, fast zwei wochen später, kennen. Den ganzen Beitrag lesen »

Tim K.

APTOPIX GERMANY SCHOOL ATTACK

Foto: AP

„Wer war Tim K.?“ „Details zum Täter“ oder „die letzten Sekunden von Tim K.“, Headlines aus den Zeitungen und dem Internet über den 17jährigen Amokläufer von Winnenden, der gestern 15 Menschen und anschließend sich selbst tötete.

Als unauffällig, ruhig und introvertiert wird er beschrieben. Aus einem gut situierten Elternhaus kommend mit dem gleichen Hobby wie sein Vater: Schusswaffen. Er spielte gut Tischtennis, war eher schlecht in der Schule, hatte keine Freunde. Auf seinem Computer werden Gewaltvideos gefunden.

Nur, was sagt das über Tim K. wirklich aus? Was sagen Hobbys, Elternhaus und Freundeskreis über einen Menschen aus? Oder was, das Spielen von Gewaltvideos? Es fällt relativ leicht, ein Urteil über Tim zu sprechen. Er ist 16facher Mörder, hat 16 Familien zerstört, eine Schule in Angst und Schrecken versetzt und eine ganze Stadt in Trauer. Tim K. ist schuldig, wie es schuldiger nicht geht. Daran ändern auch seine noch im Unklaren liegenden Motive nichts.

Ich habe mich gefragt, wie ich mich fühlen würde, wenn Tim K. jemanden aus meiner Familie getötet hätte. Vielleicht meine Schwester in der Schule. Oder meinen Dad, der gerade zufällig im Autohaus stand. Aber ich habe mich auch gefragt, wie ich mich fühlen würde, wenn Tim K. mein kleiner Bruder gewesen wäre.